Archiv für März 2011

Eine Bergwanderung

Freitag, 04. März 2011

Ich fuhr eine langjährige Freundin besuchen. Wir hatten uns nach der Wende aus den Augen verloren und wir waren wohl beide überrascht, als wir uns bei Facebook plötzlich wiederbegegneten. Sie hieß noch so wie früher, hatte also seitdem noch nicht geheiratet. Wollte sie wohl auch nicht und würde wohl auch so richtig nicht zu ihr passen. Jedenfalls machte ich mich von Krefeld aus quer durch Nordrhein-Westfahlenund und Hessen bis in den Freistaat Bayern hinein mit meinem Golf auf den Weg. Die Landeshauptstadt München war auf dem Autobahnring schnell umrundet und weiter ging es südwärts, bis ich im kleinen netten Ort Geretsried ankam. Und da war ich auch schon mitten in Oberbayern am Rande der Alpen. Nachdem wir ausgiebig unser Wiedersehen gefeiert und gar viele Stunden über die Vergangenheit geplaudert hatten, wollten wir am nächsten Tag wandern gehen. Meine Freundin war schon von jeher ein Fan der Berge und so wunderte es mich auch nicht, dass es sie in diese Gegend verschlagen hatte.

Anderntags fuhren wir wiederum einige Kilometer gen Süden. Die Berge wurden höher und wir parkten auf einem Rastplatz, um von hier aus unsere Wanderung zu beginnen. Wir hatten uns die passende Kleidung und das geeignete Schuhwerk angezogen und von nun an ging es nur bergauf. Anfangs war unser Weg, offensichtlich ein ausgefahrener Waldwirtschaftsweg, von dichtem Baumbewuchs umstanden, der sich, je höher wir kamen, deutlich lichtete. Unser Aufstieg dauerte etwa drei Stunden, bis wir auf einer mit dichtem Graswuchs versehenen Alm ankamen. Auf dieser stand doch tatsächlich eine unbewohnte Berghütte. Ich kam mir vor wie in einem Louis-Trenker-Film, aber es war Realität. Die Alm war nicht nur von saftigem Gras bewachsen, sondern auch von allerlei Blumen. Alles so wie auf Postkarten, fast unwirklich. Die Aussicht war unbeschreiblich. Linker Hand türmten sich die Berge von Garmisch-Parthenkirchen auf und rechter Hand fiel eine Schlucht steil ab, um dann mit einem karstigen Hang jäh wieder aufzusteigen.

Wir genossen das Panorama, die frische Luft und den Proviant, den wir mitgenommen hatten. Nach zwei Stunden machten wir uns wieder an den Abstieg, der klar weniger anstrengend war. Am Fuße des Berges angekommen, schmerzten die Füße aber dennoch. Wir kühlten diese in einem vorbei fließenden Bach, der allerdings trotz des Sommers so kalt war, dass ich es nur sekundenlang aushielt. So schneidend empfand ich die Kälte des Wassers an meinen Füßen. Wir hatten eine wunderschöne Bergwanderung unternommen und jetzt verstand ich auch, warum meine Freundin die Berge so liebte.